Wo Gesundheit drauf steht ist leider nicht zwingend auch gesundes drin. Oder hast du schon mal einen Apfel oder eine Avocado im Supermarkt mit der Aufschrift „gesund und reich an Nährstoffen“ gesehen?

Tatsächlich sind die Regale voller Lebensmittel, die wir tagtäglich konsumieren und über deren echten Beitrag zu unserer Gesundheit wir uns viel zu wenig Gedanken machen. Lieber vertrauen wir den leeren Versprechungen und Werbetricks auf den Verpackungen.

Auch, wenn ich als Ernährungsberaterin und Marketing-Expertin sehr gut weiß, wie Unternehmen uns mit bunten Bildchen und Versprechungen zu ihren Gunsten beeinflussen wollen, greife ich im Supermarkt doch immer wieder zu neuen, ansprechend verpackten Lebensmitteln. Diese tragen sehr oft in großen Buchstaben die Worte „Gesund“, „Vegan“, „Zuckerfrei“ oder „Protein“, um gesundheitsbewusste Konsumenten wie mich anzusprechen.

Doch ein Blick auf die Zutatenliste reicht oftmals schon aus, um die Packung direkt wieder ins Regal zu stellen. Glücklicherweise weiß ich, wie man die Liste der Inhaltsstoffe ließt, versteht und somit auch schnell erkennt, ob das Produkt tatsächlich förderlich für meine Gesundheit oder einfach nur eine hübsch verpackte Kalorienbombe ist.

Keine Sorge, es geht hier nicht darum, dass du ausschließlich gesund einkaufst. Bei Schokoriegeln, Chips und Co. ist dir hoffentlich sowieso bewusst, dass sie nicht wirklich gesund sind. Mir geht es hier vielmehr um solche Produkte, die du regelmäßig oder sogar täglich konsumierst in dem Glauben, dass sie deinen Körper mit den richtigen Nährstoffen versorgen und ihm gut tun. Ich möchte dir zeige, wie du auf einen Blick erkennst welche Lebensmittel nicht gut für dich sind, und dir so die Möglichkeit geben diese entweder ganz bewusst als „Soulfood“ zu genießen oder eben durch eine wirklich gesunde Alternative zu ersetzen.

Solche Zutatenlisten zu verstehen ist eigentlich ganz einfach. Du brauchst dazu weder einen Abschluss als Ernährungsberater, noch unglaublich viel Wissen oder Zeit.

Die Inhaltsstoffe

Zuallererst musst du dir lediglich die „Mühe“ machen und einen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen. Welche und wie viele Zutaten wurden für die Herstellung verwendet? Könntest du diese auch in deiner Küche finden, oder sind vielleicht chemische Zutaten dabei deren Name du nicht einmal aussprechen kannst?

Als Faustregel gilt hier, je weniger und natürlicher desto besser. Bei mehr als 5 Zutaten (ausgenommen sind hier natürlich Gewürzmischungen) solltest du immer sehr hellhörig und vorsichtig sein. Und alles, was du nicht auch in einer normalen Haushaltsküche finden würdest, sollte auch nicht in deinem Einkaufswagen landen.

Die Reihenfolge

Hat das Lebensmittel diesen ersten Test bestanden, schaue ich mir die Reihenfolge der aufgelisteten Bestandteile an. Wusstest du, dass Hersteller die Zutaten entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtmenge angeben müssen? Steht beispielsweise Zucker an erster Stelle, dann besteht der Großteil des Produktes daraus.

ACHTUNG, natürlich haben sich die Hersteller auch hier ein paar Tricks einfallen lassen, um die Regeln zu umgehen. Mittlerweile wissen die meisten Konsumenten, dass Zucker an der ersten Stelle der Zutatenliste nicht unbedingt für das jeweilige Lebensmittel spricht. Daher verwenden einige Hersteller, die die tatsächliche Zuckermenge verschleiern möchten, einfach verschiedenste Zucker-Variantionen. Wusstest du, dass es über 50 gängige Formen von Zucker gibt? Eine Liste der Top 50 Namen für Zucker findest du hier. Indem Produzenten verschiedene Formen nutzen, wird der Anteil des jeweiligen Zuckers am Gesamtprodukt natürlich kleiner, wodurch er in der Zutatenliste auf einen der hinteren Plätze wandert und so dem Konsumenten nicht direkt ins Auge springt.

Apropos ins Auge springen, ist dir schon einmal aufgefallen, dass hinter den gesunden Zutaten (Haferflocken, Früchte etc.) oftmals genaue Prozentangaben stehen? Auch hier werden wir als Konsument in die Irre geführt, denn wenn der Frühstücks-Riegel zu 40% aus Haferflocken besteht, dann muss er ja gesund sein. Woraus die restlichen 60% bestehen hinterfragen wir dann nur selten.

Zucker bleibt Zucker

Wo wir schon gerade beim Thema Zucker sind, Zucker-Ersatzstoffe, Süßungsmittel oder natürliche Süßstoffe, wie Honig oder Agavensirup sind leider auch keine echte Alternative. Insbesondere industriell hergestellte, kalorienfreie Süßungsmittel, wie Sucralose, Saccharin, Glucose-Sirup oder Flavor Drops solltest du zwingend vermeiden. Wieso genau, erkläre ich dir in diesem Beitrag.

Ist dir aufgefallen, dass wir gar nicht auf die Makro-Nährstoffe (Kohlenhydrate, Fette und Proteine) geschaut haben? Wenn du nicht gerade akribisch Kalorien zählst, dann sagt diese Liste so gut wie nichts über die Qualität des Produktes aus. Nehmen wir beispielsweise einen Dattel-Nuss-Riegel. Selbst, wenn dieser nur aus gesunden Zutaten, wie Cashewkernen, Datteln und Chia-Samen besteht, wird er sehr viel Zucker und Fett enthalten. Wenn du ausschließlich auf die Makro-Werte achtest, würdest du diesen Riegel wohl guten Gewissens gegen einen Protein-Riegel mit unaussprechliche Zutaten, Süßstoffen und einer langen Liste an Zutaten tauschen.

Aber zum Glück weißt du ja jetzt worauf es wirklich ankommt und kannst so beim nächsten Einkauf das Labyrinth aus Kalorienbomben und versteckten Zuckern leicht und unbeschadet durchqueren.